„Viele Leute denken wir schränken uns selbst ein, aber eigentlich haben wir viel mehr Freiheiten.“ – Ein Besuch bei der Zero Waste Bloggerin Anne Tieseler

Wir haben die Zero Waste Bloggerin Anne Tieseler und ihre Familie zu Hause besucht und uns angeschaut, wie ein Leben ohne Müll funktioniert.

Die Wohnung von Anne Tieseler und ihrem Mann Daniel wirkt hell und freundlich. Es steht wenig herum. Die kleine Wohnung ist klar und aufgeräumt. Anne und ihre Familie leben nach Zero Waste Merkmalen. Sie versuchen möglichst viel unnötigen Abfall zu vermeiden. „Es fällt schon auch mal Müll an, hauptsächlich Papier. Aber wir versuchen Unnötiges zu reduzieren.“, erzählt uns Anne. Viel Müll fällt beim Einkaufen an. Bei Anne und Daniel nicht mehr. Einfache Dinge, wie Gemüse nicht in der Plastikverpackung zu kaufen, sind schnell umgesetzt. Für kleinteilige Lebensmittel, wie Pilze haben Anne und Daniel Baumwollsäckchen parat. Schwieriger wird es bei Getreide oder Hülsenfrüchten.

Unverpackt einkaufen

Ohne Verpackungsmüll einkaufen

Ohne Verpackungsmüll einkaufen

In größeren Städten gibt es schon Zero Waste Supermärkte, in denen Kunden ihre Einkäufe in mitgebrachte Behälter abfüllen können. In manchen Bioläden findet sich zum Glück wenigstens ein „unverpacktes“ Regal. So auch in der Heimat von Anne und Daniel, in Nürnberg. „Die Leute denken immer, das ist doch viel zu aufwendig und schwer mit so vielen Gläsern einkaufen zu gehen. Aber wir brauchen nicht jedes Mal alles, sondern füllen vielleicht einmal im Monat ein bis zwei Gläser auf.“, erzählt Daniel. Nach und nach haben die beiden alle Bereiche ihres Lebens umgekrempelt. Wenn ein Teil kaputtgeht oder aufgebraucht wird, suchen die beiden nach einer verpackungsfreien, simplen Alternative. „Bei manchen Dingen stellt man fest, dass man sie eigentlich gar nicht braucht. Oder es findet sich schnell eine Anleitung zum Selbermachen.“, sagt Anne. So zum Beispiel bei Annes Deo. Eine einfache Mischung aus Maisstärke, Backsoda, Kokosöl und Teebaumöl. In einem leeren Marmeladenglas aufbewahrt, spart man sich mit diesem Deo nicht nur den Verpackungsmüll, sondern auch ungesunde Zusatzstoffe.

Die ersten Schritte

Vor knapp sechs Jahren sind die beiden in die USA ausgewandert, um dort ein paar Jahre zu leben. Angereist sind beide mit jeweils einer Tasche. Um bei ihrer Rückkehr nach Deutschland nicht wieder viel verkaufen zu müssen, wollten die beiden erst gar nicht so vieles anschaffen. „Wir haben uns damals überlegt: Was braucht man eigentlich zum Leben?“, erzählt uns Anne. Dadurch haben sich die beiden viel Zeit und Geld gespart, welches sie in ihre Freizeit und Reisen investieren konnten. In den USA Verpackungsmüll zu sparen ist einfacher als gedacht. Im Land des Konsums, denkt man zuerst nicht an eine nachhaltige Lebensweise. Doch dort ist die Zero Waste Szene schon viel weiter als in Europa und es gibt ein breiteres Angebot, um müllfrei einzukaufen. „Nach einiger Zeit bin ich auch über den Blog von Bea gestoßen, von Zero Waste Home.“ sagt Anne. Bea Johnson aus Kalifornien hat 2008 ihr Leben ohne Müll begonnen. Inzwischen leben sie und ihre Familie fast müllfrei – lediglich ein Einweckglas haben sie 2016 voll bekommen. Bea gilt inzwischen als Zero Waste „Guru“. Mehr zu Beas Lebensstil findet Ihr auf ihrem Blog.

Ein Teil, viele Funktionen

Ein Seifenstück, viele Funktionen

Ein Seifenstück, viele Funktionen

Seit eineinhalb Jahren sind Anne und Daniel wieder in Deutschland und versuchen hier die Umwelt mit möglichst wenig  Müll zu belasten. Dazu gehört auch Unnötiges aus der Haushaltsroutine zu verbannen. „Wir haben festgestellt, dass man zum Beispiel mit Seife sehr viel machen kann. Man braucht nicht für alles ein neues Produkt.“, erzählt Daniel. Seife wird im Haushalt der beiden zum Duschen, Haare waschen, Hände waschen, Rasieren, Putzen oder Abspülen verwendet. Dadurch werden Duschgel, Shampoo, Flüssigseife, Rasierschaum und Putzmittel ersetzt. Das spart nicht nur die Verpackung ein, sondern auch Unmengen an Schadstoffen, die sonst in unserem Wasserkreislauf landen würden. Auch das gehört für viele zu Zero Waste: Nicht nur Müll, sondern auch Schadstoffe einsparen. Wieder natürlicher leben und sich auf das Wesentliche besinnen.

Ist Zero Waste teuer?

Mal zum Vergleich: Seit ein paar Wochen sind die Tieselers zu dritt. Der kleine Lars kam Anfang des Jahres auf die Welt. Durchschnittlich geben deutsche Eltern pro Kind 1.300 bis knapp 3.000 Euro für die Erstausstattung aus. Bei Anne und Daniel waren es 150 Euro. „Wir haben vieles gebraucht gekauft, geliehen oder weitergegeben bekommen“, sagt Anne. Der Laufstall für Lars war zum Beispiel mal der von Anne oder der Maxicosi ist zwischenzeitlich von einer Freundin ausgeliehen. „Die bekommt im August ihr zweites Kind, deswegen wissen wir auch schon, dass wir ihn bis dahin zurückgeben. Das heißt wir müssen uns keine Gedanken darum machen, wie wir ihn wieder losbekommen.“, erzählt uns Anne lachend. Wie bereits erwähnt, setzen die beiden in vielen Bereichen aufs Selbermachen und benutzen zum Beispiel zum Wäsche waschen eine Lösung aus getrockneten Kastanien und Wasser. Kastanien stehen jedem zur freien Verfügung und kosten keinen Cent.

Nach und nach Zero Waste in Euer Leben einbauen

Es ist sinnvoll verschiedene Bereiche nach und nach umzustellen und nicht einfach alles, was man bisher hatte wegzuwerfen und neue, verpackungsfreie Dinge anzuschaffen. Das ist nämlich nicht der Sinn der Sache. Und würde natürlich auch erst einmal hohe Kosten verursachen. Außerdem sollte jeder umstellen, was er kann und möchte. Man muss sich selbst nicht unter Druck setzen. Denn Zero Waste ist kein Dogma, sondern eine Möglichkeit sein Leben freier zu gestalten. „Viele Leute denken, wir schränken uns durch unseren Lebensstil ein, aber eigentlich haben wir mehr Freiheiten und können mehr in unsere Freizeit investieren.“, sagt Anne.

Anne, Daniel und Lars

Anne, Daniel und Lars

Wer mehr über Anne erfahren möchte und auf dem Laufenden bleiben will, ob ein Zero Waste Leben mit Kind möglich ist, kann gerne auf ihrem Blog Grüner Alltag vorbeischauen.

By | 2017-02-02T23:27:06+00:00 Februar 2nd, 2017|Daheim|1 Comment

One Comment

  1. Anne Tieseler 3. Februar 2017 at 14:40 - Reply

    Eure Webseite und Themen finden wir sehr spannend und interessant!
    Vielen Dank, Romina und Theresa, für diesen guten Beitrag über unseren Zero Waste Alltag. Wenn bald der Zero Hero Unverpackt Laden in Nürnberg aufmacht werden wir unsere Gläser sicher ein paar mal öfter füllen.
    Herzliche Grüße, ~Anne

Leave A Comment